Zentralinstitut für Katholische Theologie

Forschung


Programmatik und Projekte

Ausgehend vom klassischen Verständnis der Systematischen Theologie als wahrheitsverpflichteter und vernunftorientierter Hermeneutik, die auf die Vergegenwärtigung des überlieferten Glaubens zielt, bestimmt deren kritische und konstruktive Vermittlung mit Denktraditionen der Moderne das Forschungssprofil des Lehrstuhls. Diese Forschungsprogrammatik ist konsequent interdisziplinär ausgerichtet und international verankert. Das spezifisch „Katholische“ des am Lehrstuhl vertretenen Theologiebegriffs verbindet reflektierte Positionalität mit ökumenischer und interreligiöser Sensibilität sowie mit gesellschaftlicher Diskurskompetenz.

Die Einzelprojekte werden in dem Forschungsprogramm des Lehrstuhls „Modernitätsdiskurse katholischer Theologie. Paradigmatische Fallstudien zur religionsinternen Ver-arbeitung von Modernitätskrisen“ gebündelt.

Es umfasst zurzeit drei Teilbereiche:


1. Transzendenzverwiesenheit in den Autonomiewelten moderner Rechtskulturen 

Teilprojekt I. Religion im Beziehungsgeflecht von modernem Verfassungsstaat und säkularer Zivilgesellschaft
Das Projekt zielt darauf, die Selbstverortung von Religionen im Beziehungsgeflecht von modernem Verfassungsstaat und säkularer Zivilgesellschaft zu erforschen. Im Mittelpunkt steht die Analyse religionsinterner Verarbeitungen des religionsrechtlichen Normenbestandes moderner Verfassungen, wie sie Religionen in modernen Rechtskulturen abverlangt werden (z.B. Religionsfreiheit, Trennung von Staat und Kirche, normativer Pluralismus, Volkssouveränität). Der Stand der bisherigen Forschungen drängt auf eine zweifache Fortführung und Weiterentwicklung. Zum einen sind religionsrechtliche und theologisch-politische Themen des Staats- und Verfassungsrechts, die bislang primär am Beispiel des Katholizismus erforscht wurden, auf religionskomparative Fragestellungen anzuwenden. Zum anderen verlangt der gegenwärtige Stand der europäischen Rechtsintegration verstärkt nach einer religionsrechtlichen Komparatistik, auf die ihrerseits auch theologisch zu reagieren ist.

Teilprojekt II. Grundrechte und ihre normativen Anthropologien
Das Teilprojekt ist im Forschungsrahmen des IKT, „Katholische Theologie mit anthropologischer Perspektive“, verankert. Religiöse und weltanschauliche Pluralisierungsdynamiken in modernen Gesellschaften stehen, zumal wenn diese unter Globalisierungsdruck geraten, vor dem Problem, sich über normativ gehaltvolle Anthropologien neu verständigen zu müssen, in denen Verfassungskulturen wurzeln und von denen Grundrechte normativ zentriert werden: Autonomie, Individualität, Gendergleichheit, Gerechtigkeit, Sozialität, Ökologie etc. Im Zentrum des Projekts steht ein intradisziplinäres und religionsübergreifendes Forschungsdesign, mit dem religiös begründete „Menschenbilder“ komparativ analysiert werden sollen, die in sinnbildender Absicht auf moderne Rechtskulturen bezogen werden können.


2. Theologische Historik. Anthropologie von Zeit- und Geschichtsbegriffen

Das Projekt bearbeitet epistemologische und methodologische Grundlegungsfragen des Geschichtsbegriffs, der in der Moderne zu den Zentralkategorien christlicher Theologie gehört. Im Mittelpunkt steht der Entwurf einer theologischen Historik, der die Aufgabe zukommt, eine interdisziplinär verantwortete Hermeneutik geschichtstheologischer Aussagen zu konzipieren. Auch diese Thematik ist der Theologischen Anthropologie als dem Rahmenprogramm des IKT zugeordnet. Geschichtstheoretische Fragen nach kulturell vermittelten Sinnbildungsprozessen und narrativ strukturierten Gedächtniskulturen in posttraditionalen Gesellschaften, nach der produktiven Verarbeitung von Zeit- und Kontingenzerfahrungen sowie nach der humanen Bedeutung explizit religiöser Traditionsressourcen weisen zurück auf stark normative anthropologische Voraussetzungen des Geschichtsbegriffs, die es zu erforschen gilt.


3. Transformationskrisen der Moderne und Katholische Theologie. Material-dogmatische Stellproben

Das langfristig angelegte Forschungsprojekt umfasst verschiedene Bemühungen, wesentliche Inhalte des christlichen Glaubens und zentrale Problemstellungen der Dogmatischen Theologie (u.a. Christologie, Gotteslehre, Geschichtstheologie, Ekklesiologie) im Rahmen eines transzendentalen Freiheitsdenkens zu reformulieren. Dabei gilt das besondere Interesse der Theologie und Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts, den klassischen und zeitgenössischen Gestalten der Subjekt- und Freiheitsphilosophie sowie den Grundlagendiskussionen in der gegenwärtigen Systematischen Theologie. Der im Rahmen des Projekts zugrunde gelegte Ansatz der Dogmengeschichte ist methodisch an dem Entwurf einer Theorie der Überlieferungsgeschichte interessiert, die unter dem Begriff der Denkformanalyse eine Alternative ins Spiel bringen will zu traditionellen Theorien der „Dogmenhermeneutik“ respektive „Dogmengeschichte“.