Guardini Professur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte

Lectio Guardini 2012

Lob der Philosophie

 

Wozu ein Lob der Philosophie? Soll man Alain Badiou recht geben, wenn er über die jetzige "abscheuliche Zeit" klagt und für eine Wiederentdeckung von "ewigen Wahrheiten" plädiert? Ist das die Aufgabe der Philosophie oder soll sie sich eher auf eine argumentative Begleitung von lösbaren Regionalfragen beschränken?

Ein solches Lob der Philosophie soll sich mit diesen Alternativen auseinandersetzen und vielleicht sogar wagen, das richtige Maß des philosophischen Wortes zu bestimmen. Dies kann nur im Dialog mit dem heutigen Zeitgeist geschehen, wenngleich ein solcher Dialog sich keinesfalls in ein einfaches Ergeben an diesen Geist verwandeln darf. Es ist nunmehr die Aufgabe der Philosophie, ihre jeweilige Zeit fruchtbar zu machen. Denn, so die Mahnung Blaise Pascals nicht frei von Anklängen an Augustinus: "Wir halten uns nie an die Gegenwart. Wir rufen uns die Vergangenheit zurück; wir greifen der Zukunft vor, als käme sie zu langsam und als wollten wir ihr Eintreten beschleunigen, oder wir rufen uns die Vergangenheit zurück, als wollten wir sie festhalten, da sie zu schnell vorübereilte, wir sind so unklug, dass wir in Zeiten umherirren, die nicht die unsrigen sind, und nicht an die einzige denken, die uns gehört [...]."

Das Lob der Philosophie ist auch eine riskante Selbstdarstellung des intellektuellen Weges des Vortragenden. Es enthält ein Programm und gleichzeitig einen Versuch, das Bedürfnis und die Liebe der Philosophie zu rechtfertigen.

 

Vortrag von Prof. Dr. Ugo Perone, Montag den 12. November 2012
19 Uhr s.t. im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10099 Berlin.