Berliner Institut für Islamische Theologie

Promotionsprojekt: Sexuelle Verheißungen im Paradies. Die Ḥūr al-ʿīn

Charlotte Riedel, M.A.

 

Die Arbeit soll die historische Entwicklung des muslimischen Verständnisses der ḥūr al-ʿīn analysieren. Die unterschiedlichen Beschreibungen der paradiesischen Gattinnen sowohl in der Tradition, als auch in den Koranübersetzungen regen zum Nachdenken an, da im arabischen Original, nie explizit die Rede von Frauen oder Mädchen ist. Lediglich weibliche Pronomen wie -hunna oder physiognomische Beschreibungen lassen darauf schließen, dass es sich um weibliche Wesen handelt aber auch das ist umstritten, wie wir sehen werden.

 

Zu Beginn sollen derzeitige, im Umlauf befindliche Vorstellungen über das Leben nach dem Tod bezüglich der paradiesischen Gefährtinnen umrissen sowie eine mögliche Chronologie der Koranverse mit Paradiesbeschreibungen erörtert werden. Hier gilt es sich an die Besonderheit des Korans als 'mündliche Schrift' zu erinnern. Da die übliche Anordnung der Verse nicht der zeitlichen Reihenfolge der Herabsendung entspricht, muss eine mögliche Chronologie der Verse nachvollzogen und darf nicht nur auf die schriftliche Anordnung beschränkt werden. Daran schließt sich eine linguistische Bedeutungsanalyse von für die Beschreibung der paradiesischen Gefährtinnen relevanten Begriffen wie ḥūr al-ʿīn, kawaʿib atrāba und bikr an. Weiterhin soll ihre Bedeutung in der vorislamischen Dichtung untersucht werden, sowie verwandte hebräische und syrische Begriffe betrachtet werden. Ziel ist es, die Bedeutungen der Wörter im 7 Jh. nachzuvollziehen und zu erörtern, ob der Koran diese Bedeutungen übernimmt oder ihnen neue schenkt.

Um die koranischen Beschreibungen besser verstehen zu können, sollen darauf bezogene Vorstellungen des Lebens nach dem Tod im Judentum, Christentum und Polytheismus der Arabischen Halbinsel des 6./7. Jh. dargestellt werden. Daran schließt sich die Analyse ausgewählter Tafsir- und Kalamwerke und der darin enthaltenen Interpretationen an. Dadurch soll deutlich werden, ob sich das Verständnis der ḥūr al-ʿīn so, wie wir es heute kennen, erst entwickelt hat oder ob es sich bereits in den ersten Tafsirwerken finden lässt und welchen Einflüssen diese Entwicklungen unterlagen. Zuletzt sollen die Ergebnisse der Untersuchung aus einer islamisch-theologischen Perspektive ausgewertet werden.